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Was ist ein psychologischer Test?

Jeder kennt sogenannte "Psychotests" aus Zeitschriften oder Internet: "Sind Sie ein guter Liebhaber?" - "Welcher Typ Vorgesetzter ist Ihr Chef?" So lauten oft die rei√üerischen √úberschriften. Dies hat mit wissenschaftlicher Test-Diagnostik wenig zu tun - fasziniert uns aber trotzdem. Erfahrungen mit solchen "Tests" oder eine √ľberzogene "Testkritik" lassen bei Menschen gesunde Skepsis aber auch unn√∂tige √Ąngste aufkommen. Dagegen hilft nur ausreichende Information. Auch Schulpsychologen setzen in ihrer Diagnostik psychologische Tests ein, um beispielsweise bestimmte Teilleistungen oder Begabungen abzukl√§ren. Solche Tests haben aber im Gegensatz zu den Tests der Illustrierten einen "wissenschaftlichen Test-T√úV" durchlaufen. Psychologische Tests sind wissenschaftliche Messverfahren, die bestimmte Merkmale einer Person erfassen und den Grad ihrer individuellen Auspr√§gung angeben. Dazu werden verschiedene psychometrische Messskalen verwendet. Die bekannteste Skala d√ľrfte die IQ-Skala (Mittelwert=100) sein.

Welche Merkmale können gemessen werden?

Man unterscheidet in der psychologischen Diagnostik √ľblicherweise folgende Bereiche:

Leistungstests erfassen bestimmte Leistungsmerkmale wie z.B. Intelligenz, Kreativität, Rechtschreibleistung, Rechenfertigkeit, Feinmotorik, Konzentration u.ä.

Pers√∂nlichkeitstests erfassen bestimmte Pers√∂nlichkeitsmerkmale wie z.B. Interessen, Einstellungen, Motivation, √Ąngstlichkeit, Aggressionsbereitschaft u.√§.

 

Auf welchen Annahmen beruht das Testen?

Man geht davon aus, dass die Auspr√§gungen der gemessenen psychischen Merkmale in der Bev√∂lkerung "normalverteilt" sind. Dies deckt sich mit unserer Alltagserfahrung: Was die K√∂rpergr√∂√üe betrifft, so treffen wir auf wenig "Zwerge" und "Riesen". Die meisten Menschen haben eine K√∂rpergr√∂√üe, die eine "mittlere Auspr√§gung" besitzt. Erfasst man beispielsweise alle 30-j√§hrigen Einwohnerinnen des Kreises Borken hinsichtlich ihrer K√∂rpergr√∂√üe, so erh√§lt man eine Verteilung, die sich der "Gau√üschen Normalverteilung" stark ann√§hert. Eine solche Verteilung darf man auch bei psychischen Merkmalen erwarten. Die meisten Menschen besitzen eine "mittlere Intelligenz". Sogenannte "Geistig Behinderte" und "Hochbegabte" finden sich entsprechend selten. Die zweite Annahme der Testtheorie ist, dass sich die gemessenen Werte in einem psychologischen Test zusammensetzen aus dem "wahren" Wert und einem Messfehler. Der "wahre" Testwert entspricht der Merkmalsauspr√§gung der getesteten Person. Der Messfehler wird als m√∂gliche Inkonsistenz in der Messung betrachtet. Der gemessene Testwert muss also um den Messfehler korrigiert werden, der f√ľr jedes Testverfahren bekannt ist. Man versucht, den Messfehler durch bestimmte Testg√ľtekriterien m√∂glichst klein zu halten. Diese sind:

Objektivität: Kommt der Test bei verschiedenen Testleitern zu ähnlichen Ergebnissen?

Zuverlässigkeit: Kommt man bei Test-Wiederholungen zu ähnlichen Ergebnissen?

G√ľltigkeit: Misst der Test das, was er zu messen behauptet?

Was bedeutet Standardisierung?

Um den Messfehler zu minimieren und die Testg√ľtekriterien zu erf√ľllen, werden wissenschaftlich konstruierte psychologische Tests "standardisiert". Dies bedeutet, dass der Testleiter das Verfahren immer gleich durchf√ľhrt. Dazu gibt es ganz genaue Durchf√ľhrungsanweisungen, an die sich der Psychologe halten muss. Anders formuliert: Jedes Kind, das in einer Schulberatungsstelle einen bestimmten Intelligenztest macht (ob in Bayern, NRW oder Sachsen), bekommt die gleichen Aufgaben in der gleichen Zeit zu gleichen Bedingungen vorgelegt. Die Antworten werden f√ľr jedes Kind nach den gleichen Regeln ausgewertet.

Was bedeutet Normierung?

Ein psychologischer Test kann niemals ein bestimmtes Merkmal einer Person absolut messen, sondern immer nur im Vergleich zu anderen Menschen! Das hei√üt, "die" Intelligenz kann man gar nicht messen, sondern nur ein bestimmtes Antwortverhalten in einem bestimmten Testverfahren. Um beispielsweise eine Aussage √ľber die "H√∂he" der Intelligenz eines Sch√ľlers machen zu k√∂nnen, braucht der Untersucher Vergleichsdaten von anderen (gleichaltrigen) Sch√ľlern, die genau diesen Test zuvor gemacht haben. Ein guter Test zeichnet sich deshalb u.a. durch gute Vergleichs-Normen aus, d.h. er wurde an einer sorgf√§ltig ausgew√§hlten, aktuellen u. ausreichend gro√üen "Eichstichprobe" normiert. Hier liegt die Schwachstelle vieler psychologischer Tests: Auf Grund der hohen Kosten bei der Testentwicklung sind in vielen Verfahren die Normen veraltet, oder die Eichstichprobe ist zu klein.

Welche Kritik gibt es an psychologischen Tests?

Die Kritik an psychologischen Tests ist vielf√§ltig. Sie reicht von grunds√§tzlicher Infragestellung der theoretischen Grundannahmen bis hin zur Kritik an bestimmten Durchf√ľhrungsbedingungen. Neben seri√∂ser wissenschaftlicher Kritik gibt es oft aber auch un√ľberlegte Polemik gegen das Testen. Ernstzunehmende Kritik bezieht sich auf Testkonstruktion, G√ľtekriterien, Normierung usw. Warum werden dann psychologische Tests trotzdem durchgef√ľhrt? Die saloppe Antwort lautet: Weil es bei aller (berechtigten) Testkritik oft keine bessere andere Diagnostik gibt! Neben der Tatsache, dass ein Test oft sehr √∂konomisch ist (er gibt rasch und umfassend Einblick in Verhalten), stellt er oft die einzige M√∂glichkeit dar, bestimmte Merkmale "objektiv" zu erfassen. Setzen wir z.B. nur auf Beschreibungen, gibt es zahlreiche M√∂glichkeiten sogenannter "Beurteilungsfehler". Tests sind zudem nur ein Baustein der Diagnostik. Beobachtungen, Gespr√§che, Arbeitsproben u.√§. sind weitere M√∂glichkeiten. Der gewissenhafte Testanwender wei√ü um die Grenzen dieses Instruments und wird dies bei Durchf√ľhrung, Auswertung und Interpretation ber√ľcksichtigen. 

 

Wie f√ľhrt die Schulberatungsstelle Tests durch?

Schulpsychologen f√ľhren Tests grunds√§tzlich nur dann durch, wenn es diagnostisch notwendig ist! Ein Kind "mal unverbindlich durchtesten lassen" (solche Anliegen gibt es!) - dieser Wunsch wird in der Beratungsstelle nicht erf√ľllt. Alle Ma√ünahmen werden mit den Eltern vorher ausf√ľhrlich abgestimmt und erl√§utert. Bei Grundsch√ľlern erfolgt ein Test i.d.R. vormittags in der Schule oder in der Beratungsstelle. √Ąltere Sch√ľler k√∂nnen auch am Nachmittag getestet werden. Tests erfolgen entweder in kleinen Gruppen - meistens aber als Einzeltest. So kann der Schulpsychologe das (Arbeits-)Verhalten genau beobachten. Die Eltern sind bei der Testdurchf√ľhrung nicht anwesend, da dies das Verhalten des/der Sch√ľler/in beeinflussen w√ľrde. Die meisten Kinder haben Freude beim Test. Sie genie√üen die Aufmerksamkeit und m√∂chten zeigen, was sie k√∂nnen. Alle Schulpsychologen haben jahrelange diagnostische Erfahrung, so dass sie sensibel mit eventuell auftretenden Schwierigkeiten (z.B. Misserfolge) umgehen k√∂nnen.

Mein Kind soll getestet werden: Was sage ich ihm vorher?

Dies ist zun√§chst altersabh√§ngig. Sagen Sie dem Kind das, was es begreifen kann. Die meisten Kinder, die in der Schulberatungsstelle vorgestellt werden, wissen um ihr (Lern-)Problem. Ein "Rechtschreibtest" zur Abkl√§rung von LRS wird kein Kind verwundern. Sensibler muss man mit "Intelligenztests" umgehen. Zwar wissen auch j√ľngere Kinder schnell, dass ihre Leistungsf√§higkeit getestet wird, man kann dies aber altersangemessen umschreiben, statt die Begabungsfrage in den Mittelpunkt zu stellen ("Ich m√∂chte schauen, was du gut und weniger gut kannst").

 

Wie gehe ich mit Testergebnissen um?

Ergebnisse psychologischer Untersuchungen werden i.d.R. mit den Eltern und (nach Vereinbarung) der Schule besprochen. W√§hrend √§ltere Sch√ľler in solche Gespr√§che einbezogen werden, erfolgt dies bei Grundsch√ľlern prinzipiell nicht. Zwar muss der/die Sch√ľler/in eine R√ľckmeldung √ľber die Ergebnisse bekommen, diese sollte aber gut √ľberlegt sein und von den Erwachsenen vorbereitet sein. Jede psychologische Untersuchung hat "Risiken und Nebenwirkungen": Das unbedachte Nennen von IQ-Werten stellt beispielsweise nicht nur einen diagnostischen Kunstfehler dar, es kann auch weitreichende Folgen f√ľr die Betroffenen haben. Auch hier schlagen wir kindgem√§√üe R√ľckmeldungen vor, die helfen, die gew√ľnschten √Ąnderungen vorzubereiten: "Das Ergebnis deines Wissenstests war sehr gut - der Rechtschreibtest war dagegen ausreichend."

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