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Zwanzig-Eins

Zwanzig-Eins gesprochen und 21 als Zahl

Rechenschwächen können oft bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Für Betroffene sind damit häufig Mathematikängste und Vermeidungsverhalten verbunden. Umso wichtiger ist es, Lernbarrieren möglichst früh zu erkennen und abzubauen. Eine solche Barriere kann in unserer deutschen Sprache liegen: In der Art und Weise, wie wir zweistellige Zahlen aussprechen.

In Deutschland ist alles anders

Wir Deutschen sprechen zweistellige Zahlen nicht in der Reihenfolge ihres Stellenwerts aus. Wir sagen „einundzwanzig“ und „fünfundvierzig“, benennen also erst die Einer, dann die Zehner. Bei einer stellenwertgerechten Sprechweise wäre die Reihenfolge umgekehrt, die Zahlen würden „Zwanzigeins“ und „Vierzigfünf“ heißen. So wird es beispielsweise im Englischen („twenty-one“, „fourty-five“) oder im Italienischen („vent-uno“, „quaranta-cinque“) ausgesprochen.

Diese Besonderheit ist für alle deutschsprachigen Kinder relevant. Besonders deutlich kann man sie beim Verschriftlichen von diktierten Zahlen machen. Beim Zahlendiktat müssen Kinder eine gehörte Zahl in ihre arabische Schreibweise übertragen. Studien zeigen, dass ein Teil der Fehler bei diesen Diktaten auf die Vertauschung von Einer- und Zehnerpositionen zurückzuführen ist. 

Studie zur Zahlensprechweise

Eine Studie von Hartwig et al. (2026) hat den Einfluss der Zahlensprechweise auf die sogenannte Transkodierung, also die Übertragung einer gesprochenen Zahl in ihre schriftliche Darstellung, untersucht. Grundschulkinder mit Rechenschwäche nahmen an einem Zahlendiktat teil und bekamen einmal Zahlen in der üblichen deutschen Sprechweise und einmal in stellenwertgerechter Sprechweise diktiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder bei den Durchgängen mit der stellenwertgerechten Sprachweise sowohl weniger Zeit brauchten als auch weniger Fehler machten. 

Diese Befunde sprechen dafür, dass eine stellenwertgerechte Sprechweise bei einem Zahlendiktat für rechenschwache Schulkinder vorteilhaft gegenüber der traditionellen Sprechweise ist. Die Stellenwertgerechte Sprechweise entlastet das Arbeitsgedächtnis der Kinder, erleichtert das Verständnis des Stellenwertsystems, die Zahlenraumvorstellung und hilft beim Erwerb arithmetischer Kompetenzen.

Was kann das Ergebnis bedeuten?

Wie gehen wir nun mit den Ergebnissen dieser Studie um? Ein Blick in andere Länder zeigt, dass eine Veränderung der Zahlensprechweise grundsätzlich möglich ist. In Norwegen gab es 1951 eine Reform der Zahlensprechweise, bei der die Aussprache an die Stellenwertstruktur der Zahlen angepasst wurde. Auch eine parallele Nutzung beider Sprechweisen wurde in Studien untersucht und kann eine Möglichkeit darstellen, die Vorteile einer stellenwertgerechten Sprache zu nutzen, ohne die traditionelle vollständig aufzugeben. 

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: Eine Sprache, die das Stellenwertsystem berücksichtigt, kann Kindern den Zugang zu Zahlen erleichtern und damit eine bedeutsame Lernbarriere abbauen. Damit wäre auch für die Förderung rechenschwacher Kinder eine konsequente, auf das Stellenwertsystem ausgerichtete Sprechweise, hilfreich. 

Und nun Sie: Ein Experiment

Versuchen Sie doch einmal ein kleines Selbstexperiment: Sagen Sie sich die Zahlen von 15 bis 40, von 115 bis 135 und von 1215 bis 1235 in der Stellenwert-Sprechweise auf (also z.B. „Eintausend-zweihundert-zwanzig-eins“). Und – schon dran gewöhnt?

 

Text: Melina Mönsters

 

Literatur

Hartwig, V., Kuhl, A., von Aster, M., & Morfeld, P. (2026). Zwanzigeins vs. einundzwanzig: Rechenschwache Kinder profitieren von einer stellenwertgerechten Zahlensprechweise. Lernen Und Lernstörungen, 15(3), 131–142. https://doi.org/10.1024/2235-0977/a000526

 

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